Kurt + Megi BH1 Prüfung 2013

Bericht Kurt Utzinger der BH1 Prüfung beim SC OG Speer in Ebnat-Kappel vom 4. Mai 2013

Zur Erinnerung: Meine erste BH1-Prüfung vor einem halben Jahr in Wädenswil ging total in die Hosen, den Bericht dazu findet man hier. Dieser Tag wird mir wohl das ganze Leben lang unvergesslich bleiben. Statt den geliebten Hundesport an den Nagel zu hängen, habe ich dank aufmunternder Worte von Vereinsmitgliedern das Training mit noch grösserem Eifer wieder aufgenommen. Bei dieser Gelegenheit ein herzliches Dankeschön an diese „Hündelerbande“ für die geduldige und stets hilfreiche Unterstützung eines Neulings, der am 16. April 2011 das erste Mal auf dem schönen Hundeplatz schnuppern durfte und damals noch nicht ahnte, dass ihn der Hundesport bald packen würde.

Hundedame Megi und ich hätten in letzter Zeit nochmals spürbare Fortschritte gemacht, meint meine Gruppenleiterin Monika: Wir seien nun zu einem Team zusammen gewachsen und „Schlitzohr“ Megi arbeite konstanter. Also Anlass genug, um schon frühzeitig im Jahr eine Prüfung zu absolvieren an einem fremden Ort unter den üblich „stressigen“ Bedingungen. Ich wollte nicht zuwarten bis Ende Oktober oder gar anfangs November, damit im Falle eines erneuten Scheiterns weitere Prüfungen möglich gewesen wären. Man muss sich schliesslich Ziele setzen und mein Wunsch war, noch im laufenden Jahr das AKZ im BH1 zu erreichen, um dann mit dem Training für BH2 beginnen zu können. Und wenn es mir, so dachte ich, gelingen sollte, meine an der ersten Prüfung vorhandene grosse Nervosität abzulegen, dann müsste das Ding doch zu schaffen sein. Letzteres ist natürlich leichter gedacht als getan. Aber da bekanntlich noch kein Meister vom Himmel gefallen ist und das Sammeln von Erfahrungen ebenso wenig jemandem geschadet hat, war eigentlich nichts zu verlieren ... deshalb mutig und sehr kurzfristig angemeldet, so dass kein Zurück mehr möglich war.

In der Nacht vom Freitag auf Samstag habe ich etwas besser geschlafen als vor meiner ersten Prüfung, aber immer noch schlecht. Tagwache wiederum um 05.00 Uhr, nach einer heissen Dusche kurz Gassi gehen mit Megi, die rasch und „pflichtbewusst“ ihr Geschäft erledigt – sie spürt bereits das Besondere des heutigen Tages: Rucksack, Fähnlein, Cervelageruch, usw. - dann um zirka 06.15 Uhr Abfahrt, mit dabei meine Frau Susanne als Fahrerin, so dass ich gemütlich zurücklehnen kann. Nach Ankunft in der Klubhütte des SC OG Speer hoch oberhalb von Ebnat-Kappel folgt ab 07.30 Uhr das inzwischen mir schon bekannte Prozedere: Leistungsheft abgeben, nette Begrüssungsworte von Prüfungsleiter Armin Näf (SM 2006 LawH !!), Informationen zum Ablauf des Prüfungstages, Gruppenzuteilung bei Morgenkaffee und erste Gespräche mit den anwesenden BH1-, BH2-Absolventen und Begleitpersonen. Es geht recht ruhig zu und her, einige sind schon in Gedanken versunken oder befinden sich in einer konzentrierten Erwartungshaltung. Das ist vor allem für die BH2-er wichtig, denn diese haben zuerst zur Nasenarbeit anzutreten. Das Prüfungsgelände befindet sich einen Fussmarsch von rund 15 Minuten oberhalb der Klubhütte. Wir BH1 Teilnehmer können also noch längere Zeit in der Klubhütte verweilen, bis es uns dann auch nach draussen zieht. Oben angekommen, werden wir von einer Ordnerin empfangen, die uns zeigt, wo die Hunde angebunden werden können/sollen und wo die Nasenarbeit stattfinden wird. Da alle Prüfungen an diesem Samstag nur durch einen Richter, Walter Busenhart, abgenommen werden, dehnen sich die Wartezeiten bis zum Start etwas aus. Trotz allem wird es uns vier BH1-Absolventen dank netten Gesprächen nicht langweilig. Es herrscht eine wirklich gute Stimmung, und alle wünschen sich gegenseitig einen erfolgreichen Tag.

Nach der schönen Arbeit meiner Vorgängerin Dagmar mit Visla Rocchi, geht es nun auch für mich als Startnummer 2 zur Nasenarbeit. Das Gelände ist wenig optimal, nass und tief, fast Moor und Sumpf. Das scheint Hundedame Megi noch kaum zu beeindrucken, denn sobald sie das Fährtengeschirr und die Schleppleine trägt, kann sie es fast nicht erwarten, endlich mit der Arbeit loszulegen. Und tatsächlich: sie bleibt auf der Spur, etwas weniger intensiv als üblich, lässt sich auch kurz ablenken, findet aber den rechten Winkel, verharrt vor dem Gegenstand, allerdings vorerst im Sitz, bevor sie sich ins Platz begibt. Mit berechtigten Abzügen belohnt der Richter unsere Leistung mit 84 Punkten ... oops ... die Nasenarbeit bestanden, welche Erleichterung und Verbesserung gegenüber der ersten Prüfung. Schön auch, dass alle BH1-er diese Disziplin gut gemeistert haben. So muss niemand enttäuscht die nächsten Aufgaben in Angriff nehmen.

Fortsetzung

Nun ist wieder Wartezeit angesagt, denn die BH2-er sind am Revieren. Anschliessend gibt es für alle verspäteten „Znüni“, denn die Uhr zeigt – wenn ich mich richtig erinnere - bereits 10.50 Uhr. Bald geht der Ernst des Lebens, sprich die Prüfung, weiter. Ablegen frei ist angesagt, und wie fast immer, legt sich Megi in schöner Sphinx-Stellung ins Gras. Die fünf endlos lang wirkenden Minuten beginnen, und meine Schäfermix-Hündin mit Jagdtrieb, die ihre Umgebung stets wachsam „scannt“ - man könnte ja etwas verpassen - bleibt ruhig liegen, zumal diesen Morgen keine springenden Rehe, Füchse oder Hasen den Nahbereich des Prüfungsgeländes queren. Aber auch der plötzlich über uns am Himmel auftauchende Helikopter kann meine Megi nicht aus der Ruhe bringen. Die vollen 20 Punkte sind verdient und langsam bin ich überzeugt davon, die heutige Prüfung zu einem guten Abschluss bringen zu können. Dass wir in der Leinenführigkeit (17 Pkt) und Folgen frei (16 Pkt) noch nicht super sind, ist keine Überraschung. Hingegen klappt das Setzen, Legen (20 Pkt) perfekt, was beim Apportieren (16 Pkt) nicht zutrifft. Wer jedoch weiss, dass tägliches Training über ein halbes Jahr nötig war, bis Megi das Apportierholz nur einmal richtig gebracht, gehalten und ausgegeben hat, der ist mit 16 Punkten mehr als zufrieden. Und als schliesslich Richter Walter Busenhart für die gesamte Unterordnung 89 Punkte vergibt, nehme ich das begeistert zur Kenntnis, denn damit ist auch die zweite Abteilung bestanden.

Wieder ergibt sich eine grössere Pause, weil nun die BH2-er die Unterordnung absolvieren. Hernach beginnen die letzten Arbeiten mit der Führigkeit. Beides, das Durchgehen einer Personengruppe (21 Pkt) und das Abrufen (21 Pkt), verläuft passabel, bleibt aber weiterhin verbesserungswürdig. Jetzt nur nicht den unverzeihlichen Fehler der ersten BH1-Prüfung wiederholen und die letzten beiden Fächer auf die leichte Schulter nehmen. Also nochmals volle Anspannung, straffe Haltung eingenommen und ruhige Vorbereitung für Hund/Mensch, dann zielstrebig hin zum Hochsprung (volle 25 Pkt) und zum Weitsprung (volle 25 Pkt), zwei vorzüglich gelungene Sprünge, war ich doch zum absolut richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, so dass ich Megi nicht noch etwas „nachlaufen“ musste und sie deshalb sofort und schön bei Fuss anschliessen konnte. Die ganze Führigkeit wird mit 92 Punkten bewertet.

Erst jetzt dämmert es mir, dass ich die heutige BH1-Prüfung mit total 265 Punkten (A=84, B=89, C=92) und AKZ erfolgreich abgeschlossen habe. (Rangliste) Die ist riesengross und ich hätte Hundedame Megi für ihre gute Arbeit fast bis zur Ewigkeit knuddeln mögen. Und weil alle anderen BH1-er ebenfalls bestanden und mit wenigstens einer Qualifikation GUT abgeschlossen haben, ist die Euphorie doppelt gross, was durch gegenseitiges Schulterklopfen und Gratulieren auch emotional zum Ausdruck kommt. Der schöne Tag ob Ebnat-Kappel geht mit feinem Essen und Trinken, mit losen Sprüchen über die Vergangenheit und die Zukunft, allgemeinem Fachsimpeln sowie der Rangverkündigung und Applaus an Prüfungsleiter, Helfer und Richter zu Ende. Begleitet von guten Tipps seitens Praxis erprobter BH2-Hundesportlerinnen, treten wir schliesslich die Heimfahrt an. Dass ich nachts dann wie ein zufriedenes Murmeltier schlafe, versteht sich fast von selbst.

Nachträglich fragt man sich, weshalb es so gut gelaufen ist, im Bewusstsein, dass etwas Glück immer dazu gehört, denn manchmal scheitern aus diesen oder jenen Gründen auch die allerbesten Hundesportler. Mein Fazit: a) sehr kurzfristige Anmeldung, weshalb keine Zeit mehr übrig blieb für zusätzliches, nervöses Training; b) meine spezielle Einstellung, statt am Samstagmorgen auf unserem Hundeplatz zu arbeiten, einfach in Ebnat-Kappel zu „trainieren“; c) die Anwesenheit meiner Frau, die zwischendurch den Hund und Rucksack hüten konnte, was mir erlaubt hat, nebenbei mit anderen zu plaudern, das viel zur Ablenkung beigetragen hat; d) die „Mahnung“ eines prüfungserprobten Hundefreundes, vor jeder Übung dreimal tief zu atmen und sich für die Vorbereitung von Hund/Mensch genügend Zeit zu nehmen; e) Verzicht darauf, die Prüfung im Verein gross anzukünden, was Druck weggenommen hat; f) ein fairer und ruhig agierender Richter; g) und vielleicht das Wichtigste, nämlich die gelungene Umsetzung des Vorsatzes, nicht nervös zu werden, was meine Hündin Megi mit guter Arbeit verdankt hat.

Stark motiviert für Neues, werden wir nun mit Elan und Eifer das BH2-Training aufnehmen, uns dafür aber genügend Zeit lassen für einen seriösen Aufbau. Denn trotz bestandener BH1-Prüfung bin ich mir bewusst, dass ich als „Anfänger“ eigentlich noch (fast) nichts kann/weiss, somit also noch sehr viel Arbeit auf Megi und mich zukommen wird. Aber das nehmen wir freudig in Kauf.